❤ 12

03.01.2013

"Nichts macht uns feiger und gewissenloser als der Wunsch, von allen Menschen geliebt zu werden."
(Marie von Ebner-Eschenbach)

Der Wunsch, von allen Menschen geliebt zu werden... Oft merke ich ihn anderen Menschen an, diesen Drang, von jedem unbedingt gemocht zu werden. Doch meine Meinung ist: Das wird man niemals schaffen. Auch wenn man es noch so sehr versucht, zu Genüge habe ich die mehr oder weniger erfolgreichen Leute gesehen, die diesem Wunsch beinahe schon verfallen sind. Ich sehe es beinahe als eine schauspielerische Leistung, sich für jeden genau so zu vorstellen, wie derjenige es haben möchte. Jedem zu gefallen, jedem zu passen. Doch die Frage ist für mich eher: Wie viel bleibt von mir selbst übrig, wenn ich genau so bin, wie mich andere gerne hätten? Nichts, rein gar nichts. Nichts von meiner Persönlichkeit, nichts von meinem Charakter, null. 
Ich sehe sie oft in der Schule, vor allem Mädchen, ich merke ihnen an, dass sie perfekt sein wollen. Dass sie jeder mögen soll, doch auf mich wirken sie einfach nur unecht. Sie verstellen sich, und manchmal frage ich mich, ob ich sie überhaupt richtig kenne. Verstellen sie sich für mich auch nur?
Sie haben kein Gesicht, immer nur sehe ich ihre undurchlässige Fassade, eine schleierhafte Maske, die keinen Blick nach innen zulässt. 
Um die Wahrheit zu sagen, dafür kann ich sie nicht sonderlich gut leiden. Für das ewige Versteckspiel hinter ihrer Maske. Doch anscheinend muss es Leute geben, denen das gefällt, die Schauspieler sind diejenigen, die jeder mag. Sie sind lieb und nett und still, eben weil sie es jedem recht machen wollen. Aber sie haben keine Stimme, sagen nie was, haben keine Meinung. Zu gar nichts. Meine Vermutung ist, sie trauen sich nicht, weil sie sonst denjenigen missfallen würden, die entgegengesetzter Meinung sind.
Was ist so falsch daran, etwas zu sagen? Was ist falsch daran, eine Meinung zu haben und diese auch zu vertreten? Für mich bedeutet das Charakter, diese Menschen haben Persönlichkeit, ein Gesicht. Ich verabscheue diese Art, wenn man nicht zu seiner wahren Ansicht stehen, weil man sich sonst unbeliebt machen könnte. Sicherlich ist es manchmal von Vorteil, doch mir wäre so viel erspart geblieben, hätte jemand damals den Mut gehabt, endlich zu sprechen. 
Früher, vor einigen Jahren, gab es einige solcher Leute. Mir sagten sie ins Gesicht, sie fänden das unfair, was hier passiert, doch etwas zu ändern, das haben sie nicht geschafft. Indirekt haben sie mitgemacht. Sie haben die anderen dabei unterstützt, mich fertigzumachen. Auch wenn sie innerlich dagegen waren, aber das brachte mir nichts. Sie wussten genau, wäre es umgekehrt gewesen, ich hätte das nicht zugelassen. Ich hätte etwas gesagt und mich für sie eingesetzt. Vielleicht weil ich einen manchmal zu ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit habe, vielleicht weil ich zu gutmütig bin. Man könnte auch sagen, ich bin dumm. Natürlich kann man es verschieden auslegen. Denn welchen Nutzen hätte ich davon? Es betrifft mich ja nicht. Aber ich würde es tun, einfach weil es das Richtige wäre.
Sicher, man kann die Vergangenheit nicht rückgängig machen. Ich weiß jedoch, das kann und will ich ihnen niemals vergessen. Man sollte aus seinen Fehlern lernen, und ich habe gelernt, dass es leider nur sehr wenige Menschen gibt, die sich in solch einer Situation wirklich einsetzen. Zum Glück glaube ich, einige dieser Menschen nun gefunden zu haben, doch ich verabscheue sie noch immer dafür. Manchmal wünsche ich mir, ich hätte ihnen gesagt, was es mit mir gemacht hat. Was sie mit mir gemacht haben und dass ich noch immer davon geprägt bin.

Und da wäre noch ein anderes, vielleicht sogar größeres Problem. Eine Zeitlang hat es mich nicht gekümmert, doch nun merke ich, dass es mich wieder mehr belastet, vielleicht sogar mehr wie jemals zuvor. Ich merke, wie es mich niederdrückt, als müsste ich eine zu schwere Last auf meinen Schultern tragen, die mich Stück für Stück mehr in die Knie zwingt und mich immer schneller zu Boden fallen lässt. Der Boden ist endlos, wie ein tiefes Loch, ich kann immer weiter und weiter fallen, weiter in das Loch der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Es macht mich fertig, jeden Tag, wenn ich sehe, was ich könnte und ich kann es doch nicht.
Es nimmt mir alles, was ich gerne tun würde. Das schlimmste ist jedoch, dass ich weiß, dass ich gut darin wäre. Aber es geht einfach nicht, und ich bin an dem Punkt, an dem ich lernen muss, das zu akzeptieren, auch wenn es mich fürchterlich ärgert und ich deshalb manchmal zuhause sitze und einfach nur weine. Ich kann nicht anders, die Erkenntnis, dass ich das niemals werde tun können, dass ich mein Leben nie wirklich so leben kann, wie ich will, überkommt mich wie ein Schlag ins Gesicht. Wieder und wieder, bis ich es endlich verstehe.
Es hat einen Grund, dass ich niemals zu Theatervorstellungen in der Schule oder anderen Veranstaltungen, auf der Leute viel reden, anwesend bin. Ich kann es nicht sehen, ich komme nicht damit klar, dass ich vor mir habe, was ich hätte tun können. Was ich mit Freude getan hätte, aber es geht nicht. Tagtäglich sehe ich es vor mir, immer und immer wieder. Und immer und immer wieder schlägt die Erkenntnis zu und ich kann rein gar nichts dagegen tun.

Ich weiß nicht, ob jemand von euch ähnliche Situationen kennt. Doch wenn nicht, lasst euch sagen, es ist wirklich furchtbar, wenn man weiß, was man könnte, es aber nicht tun kann und die Tatsache, dass man es niemals wird tun können, ist noch schlimmer.

P.S.: Ich habe übrigens auch die Seite "About us" überarbeitet, schaut doch mal rein (:
P.P.S.: Was ich fast vergessen hätte, HAPPY NEW YEAR euch allen :3

❤ 11

18.11.2012



Es ist später Nachmittag, als ich nach Hause komme. Ich schließe die Tür hinter mit und seufze. Endlich zuhause, den ganzen Tag war ich unterwegs. Erschöpft lasse ich mich auf mein Bett fallen und schließe für einen kurzen Moment die Augen. Doch nun kommt alles wieder hoch, all die Probleme, das, was mich sauer macht und seit den letzten Wochen so bewegt. Deshalb mag ich es manchmal, dass ich so viel zu tun habe, so bleibt mir keine Zeit, darüber nachzudenken. So vieles läuft falsch in letzter Zeit, doch das will niemand wirklich wahrhaben. Sie leben in ihrer Scheinwelt, denken, alles wäre perfekt so wie es ist. Als würden wir uns alle verstehen, als würden wir uns mögen. Doch so ist es nicht. Wie oft habe ich versucht, es zu erklären, ihnen endlich die Augen zu öffnen und zu zeigen, dass hier eigentlich alles falsch läuft. Aber sie interessieren sich nicht dafür. Entweder haben sie keine Zeit, hören nicht richtig zu oder ich bekomme als Antwort nur den Standardspruch: „Das bildest du dir alles nur ein, so ist das gar nicht! Außerdem sagst du mir ständig dasselbe!“ Natürlich, ich erzähle dasselbe, weil ich muss. Weil niemand es verstehen kann oder auch einfach nicht will. Wie soll ich es ihnen klarmachen, wenn sie nicht hinhören oder es nicht hören wollen? Ihre Ohren und Augen verschließen für das, was eigentlich offensichtlich ist.
Oft ertappe ich mich in letzter Zeit dabei, wie ich an früher denke. Als noch alles einfacher war, nicht so kompliziert wie jetzt. Als ich glücklich und zufrieden war und wir noch eine richtige Familie waren. Als ich nicht so von Sorgen niedergedrückt wurde, dass ich mir manchmal wünsche, einfach verschwinden zu können in einen meiner Träume. Träume, die einfach so schön sind, dass ich morgens aufwache, mich an sie erinnere und dann abgrundtief enttäuscht bin, dass sie nicht die Wahrheit sind. Und nein, es sind keine Kinder-Märchen-Träume, in denen ich eine Prinzessin oder ein weltberühmter Popstar bin. Nein, es sind Träume von einem stinknormalen, langweiligen Leben. Einfach nur wunderschön normal. Eine Familie, die sich versteht und bei der nicht alles so unglaublich schwer ist. Und ich, die auch einfach normal ist. Ja, in meinen Träumen bin ich etwas mehr wie meine Schwester. Sofort beliebt, aufgeschlossen, man mag sie. Schon immer. Sie war immer die Süße, die Kleine, die man sofort gern hatte. Die immer lacht und fröhlich ist. So bin ich nicht und war ich nie. Vielleicht liegt es daran, dass ich misstrauisch gegenüber anderen bin. Ich vertraue ihnen nur sehr schwer. Zu oft wurde ich von genau den Menschen, von denen ich dachte, ich könnte mich auf sie verlassen, verletzt. Zu viel habe ich mitgemacht, um noch so aufgeschlossen auf Menschen zugehen zu können. Ich hasse es, dieses Gefühl, überhaupt nicht diejenige zu sein, die ich gerne wäre. Ich hasse es, dass ich mir so sehr wünsche, anders zu sein, einfach gut zu sein. Ich hasse es so sehr, dass ich mich manchmal selbst hasse. Es macht mich einfach kaputt. Ich kann es nicht mehr ertragen, um mich herum nur Menschen, die so sind, wie ich es gerne wäre. Die so viel können, so viel sind. Aber wahrscheinlich muss man irgendwann aufwachen und verstehen, dass man sich selbst nicht ändern kann. Und egal ob ich mich selbst mag oder nicht, ich kann kein anderer Mensch sein.

Bella;*

Abstand

12.08.2012

Seit knapp 2 Wochen sind nun schon Sommerferien. Ich sitze zuhause, bleibe bis spätnachts wach, geistere auf Facebook rum und gucke eine meiner Lieblingsserien: Gossip Girl. Vielleicht einfach nur zur Ablenkung oder um zu sehen, wie gut es manch andere Leute haben und endlich wieder einen Grund zu haben, um in Selbstmitleid zu versinken.

Aber das Timing der Ferien ist perfekt, denn ich konnte einfach nicht mehr. Ich war völlig leer, ausgelaugt, konnte nicht mehr klar denken oder richtig atmen, ohne über irgendetwas nachdenken zu müssen, was mich so sehr beschäftigt hat. Nicht nur mein Ich-weiß-nicht-was-ich-für-ihn-empfinde-Junge, sondern auch andere Dinge, die mich einfach kaputtmachen.
Der ständige Wunsch nach nur etwas Anerkennung, der Vergleich mit anderen. Alle scheinen so perfekt zu sein, und mittendrin ich, einfach normal und es gibt nichts, was mich auszeichnet.
Ja, der Abstand tut mir gut. Einfach mal über nichts von alledem nachdenken, sich mit niemandem vergleichen müssen, nichts tun können. Einfach nichts. Keine Ahnung, wie ich mich wieder an den Schulalltag gewöhnen soll, denn sobald die Ferien angefangen hatten, waren die guten Vorsätze von wegen Vokabeln lernen natürlich schon wieder vergessen. Wahrscheinlich merke ich nach den Ferien, dass mein Gehirn schon Staub angesetzt hat. Naja, was soll's?!

Manchmal frage ich mich, ob das eigentlich noch ganz normal ist, was ich mache. Ich habe teilweise absichtlich versucht, besonders depressiv zu wirken, in der Hoffnung, dass irgendjemand das merkt und mit mir redet. Ich hatte so viele Probleme, so vieles, was mich belastet hat. Nicht dass es jetzt wie weggeblasen wäre, auf keinen Fall, aber durch den Abstand ist es auf jeden Fall in den Hintergrund gerückt. Ich habe nicht mehr den Drang, diesen stummen Hilfeschrei loszuwerden, ja fast schon zu erzwingen, dass sich jemand meine Sorgen anhört, die mich so fertigmachen.
Doch ich kenne die Standard-Antworten, ich weiß, dass sie einfach nur lieb gemeint sind, doch ich kann sie nicht glauben. Diese Sätze wie "Du bist toll, du kannst sooo vieles, und du bist hübsch" und so weiter, ich bezweifle nicht, dass sie ernst gemeint sind. Aber wieso kann ich sie nicht glauben? Wieso reicht das mir nicht? Muss ich sie von einer bestimmten Person hören?
Wie oft habe ich mir sehnlichst gewünscht, dass auf einmal irgendeine Fee in meinem Zimmer steht und ich mir etwas wünschen darf. Wie oft habe ich mir ausgemalt, was mein Wunsch wäre. Aber mein Gott, wie dumm das ist. Wenn ich es aufschreibe, ist es sogar noch dümmer... Als wäre ich noch ein kleines Kind, das an Feen oder Märchen glaubt. Oder daran, dass es Traumprinzen gibt.
Als würde ich daran glauben, dass es Happy Ends gibt... Denn die gibt es einfach nicht.

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